Wenn ein Hund kommen soll .....

12.07.2002



Elf Gründe sich keinen Hund zuzulegen


Ich suche ein Geschenk für...

Ich suche einen möglichst scharfen Wachhund

Ich möchte mein Ego mit einem möglichst großen, 
teueren und gefährlichen Hund aufpäppeln

Ich suche einen Spielgefährten für meine Kinder. 
Die kümmern sich auch um ihn.

Ich will einen Hund wie Kommissar Rex, Lassie oder einen von den 1000 Dalmatinern

Ich möchte Hunde züchten, um damit Geld zu verdienen

Ich brauche einen Zweithund, dann würde sich meiner, für den ich keine Zeit mehr habe, nicht so langweilen!

Wenn es mir langweilig ist, soll mir der Hund die Zeit vertreiben.

Ich will stets eine "blitzeblank" saubere Wohnung; keine Hundehaare, keine lehmigen und feuchten Spuren auf dem Boden, Kleidung und Gesicht.

Ich will mich nicht an ein Tier langfristig binden; Hunde können durchschnittlich 12 und mehr Jahre alt werden.

Es gibt nur schlechtes Wetter und keine schlechte Kleidung.

 


Fragen, die sich verantwortungsvolle Menschen vor der Anschaffung stellen sollten ...

Die Anschaffung eines Hundes sollte man gründlich überlegen. Besonders als „Hundeneuling“ ist es wichtig, sich gründlich beraten zu lassen. Nie ein Tier übereilt mit nach Hause nehmen!

Kann ich dem neuen Familienmitglied ein Hundeleben lang (10-15 Jahre) eine tiergerechte Heimat bieten? 
Es gibt nichts Schlimmeres für einen Hund, als seine Heimat und Familie (also sein Rudel) zu verlieren!

Habe ich genügend Zeit für den Hund? 
Der Hund ist ein Rudeltier und möchte am liebsten seine ganze Zeit mit seinem Rudel verbringen.
Sie sind sein Rudel! Er möchte mit Ihnen ausreichend Gassi gehen und spielen, gefüttert und gepflegt
werden - und das jeden Tag! Sind alle Familienmitglieder voll berufstätig wird das sehr schwierig werden.

Ist die Wohnung, das Haus für die Hundehaltung geeignet, bzw. bin ich bereit die notwendigen Veränderungen
durchzuführen?
Das bedeutet bei Mietern Einverständnis des Vermieters, bei Hausbesitzern eventuell Probleme mit den
Nachbarn wegen eines ungesicherten Grundstücks, Hundegebells usw. Sie müssen also z. B. eventuell einen
Zaun bauen, empfindliche bzw. für das Tier gefährliche Einrichtungsgegenstände sichern und vieles mehr

Sind alle Familienmitglieder mit dem Hund einverstanden? Ist jemand gegen Hunde allergisch?
Nicht, dass das Tier dann wegen Sachen, die man bereits im Voraus abklären kann wieder nach kurzer
Zeit wieder im Tierheim landet. Wie zum Beispiel: Die Oma hat Angst vor ihm!

Hundehaltung kostet Geld! Manchmal (z. B. bei Krankheit) sehr viel Geld.
Große Rassen sind noch teurer: Futterkosten im Monat können schon mal bei 50 bis 75 Euro
für große Tiere liegen. Zu den „Unterhaltskosten“ kommen noch Tierarzt (Impfungen), Hundesteuer und
Tierhalterhaftpflicht, Hundesachen wie Leine, Halsband, Schlafplatz, ev. Autobox usw.

Hund im Haus bedeutet auch Schmutz und eventuell Beschädigung von empfindlichem Hausrat!
Bin ich bereit mich damit abzufinden? Den Hund nicht ins Haus zu lassen ist keine Lösung, sondern
eine Qual für den Hund, denn er will bei seinem Rudel sein!

Ein Hund muss erzogen werden und das liebevoll und ohne Gewalt!
Sind Sie bereit, die nötige Zeit dafür aufzuwenden und sich das nötige Wissen dafür anzueignen
(Hundeschule, Bücher)?

Ein Hund kann ein ideales Mittel sein, um Kindern den Respekt vor der Natur und Tierliebe beizubringen!
Doch bedenken sie: Ein Hund ist kein Kinderspielzeug! Kinder können aus verschiedensten Gründen nicht
die alleinige Betreuung eines Hundes übernehmen! Hunde und Kinder bis ca. 10 Jahre sollten nie ohne
Aufsicht alleine gelassen werden. Haben sie dafür genügend Zeit?

Überdenken Sie Ihre Urlaubssituation!
Sind sie bereit, dem Tier zuliebe, ihre Urlaubsgepflogenheiten zu überdenken? Überlegen sie gut!
Das beste für den Hund wäre ein Urlaub mit Ihnen. Jede Trennung von Ihnen bedeutet für das Tier große
Angst und Stress, denn sein Instinkt sagt ihm, dass der Verlust seines Rudels für ihn Todesgefahr bedeuten
kann!
Jedes Jahr zur Urlaubszeit werden unzählige Haustiere, vor allem Hunde ausgesetzt, weil man nicht
bereit ist, in dem Tier ein Mitlebewesen zu sehen, sondern es als Ding betrachtet, dass man glaubt, seinem
Vergnügen opfern zu können.



Tierliebe kann zwar vieles ausgleichen, doch die grundlegenden Bedingungen für eine artgerechte Hundehaltung müssen gegeben sein!


 
Bingo, ca. 14 Jahre

 

Es ist soweit, wir suchen uns einen Hund aus!

An alle Hundeneulinge: 

Bitte lassen sie sich beraten! Lesen sie vor der Anschaffung ein Buch über Hundehaltung und Erziehung!
Welpen sind für Anfänger nicht unbedingt geeignet. Der Besuch einer Welpenschule ist sehr zu empfehlen.

Überlegen sie sich, welcher Charakter (nicht Rasse!) der Hund haben soll um in ihre Familie zu passen!

Plädoyer für einen erwachsenen Hund:

- der Hund ist erwachsen, er wird seinen grundlegenden Charakter nicht mehr ändern; 
  Das bedeutet, dass das Wesen, dass er ihnen jetzt zeigt wird sich nicht mehr wesentlich verändern!

- sie zernagen meistens Nichts mehr

- sie sind in der Regel stubenrein (außer Zwinger- und Kettenhunde, denen muss man es noch beibringen)

- die meisten erwachsenen Hunde können nach einer ausreichend langen Eingewöhnung einige Zeit alleine
  bleiben (bis ca. 4 Stunden)

- sie sind ruhiger und „nerven“ weniger als Welpen oder Junghunde (bis ca. 2-3 Jahre, je nach Rasse)

- besonders ältere Hund (ab 7-8 Jahre) sind oft sehr „dankbar“ für einen schönen Platz!

- auch für Hunde gilt: man ist so alt wie man sich fühlt. Mit sieben Jahren sind die meisten Hunde immer
  noch sehr aktiv; sie spielen gern, lieben lange Spaziergänge und können noch gut lernen. Dafür sind sie
  toleranter, ausgeglichener und verschmuster; auch der Jagdinstinkt lässt nach, so dass nicht jede Duftspur
  einen gleich aus der Ruhe bringt. 


Überlegen Sie sich das Geschlecht des Hundes

Rüden sind : dominanter, aktiver, destruktiver und anderen Rüden gegenüber oft aggressiv

Hündinnen sind : gehorsamer, anhänglicher und zärtlicher

Kaum Unterschied bei : Wachsamkeit, Spielfreude und Bewegungsdrang


Sehen sie sich die Tiere an und wählen sie sich einen Hund aus, der ihnen zusagen würde.

Haben sie einen möglichen Kandidaten entdeckt, versuchen sie viel wie möglich von der Vorgeschichte und den Charakter des Hundes herauszubekommen. Sie haben dazu folgende Möglichkeiten: 

- Das Tierheimpersonal gibt gern Auskunft über die Geschichte und das Verhalten des Tieres
  (soweit bekannt, bei Fundhunden ist es manchmal nicht möglich!)

- Fragen Sie, ob der Hund einen regelmäßigen Gassigeher hat. Der kann ihnen am besten über das Verhalten
  des Hundes Auskunft geben.

- Besuchen Sie das Tier öfters und gehen sie mit ihm spazieren. Dabei können sie sich selbst vergewissern, 
  ob Sie mit dem Charakter des Hundes zurecht kommen! 
  Nehmen Sie auch die anderen Familienmitglieder zum Kennenlernen mit!

- Wenn es möglich ist, vor der Entscheidung den Hund einige Stunden mit nach Hause nehmen.


  

Lassen sie sich Zeit für ihre Entscheidung, überstürzen sie nichts!


Waldi, ca. 10 Jahre



Ein Tierheimhund kommt ins Haus, was sollte ich beachten!

Bevor der Hund kommt:

Wenn bis jetzt nicht schon geschehen, sollten sie sich über Hundehaltung und -erziehung informieren.
Das geht am besten durch geeignete Bücher oder erfahrene Hundebesitzer.

- Richten sie einen Platz ein, zu dem sich ihr neuer Hausgenosse zurückziehen kann.
  Dort darf er nicht gestört werden!
  Unterweisen sie auch ihre Kinder, den Hund dort in Ruhe zu lassen. 
  Also, nicht zum Spielen und Knuddeln zwingen. 

- Ein Tier, dass sich zurückziehen will, darf es nicht gestört werden. 
  Sonst passiert es, dass der Hund, in die Enge getrieben, so gestresst wird, dass er sich nur durch Knurren
  oder Schnappen Luft verschaffen kann. Das Entsetzen ist dann groß, und das Tier landet wieder im Heim.

- Statten Sie diesen Platz mit einem Körbchen, Decke oder Hundebett aus.


Sachen, die Sie vor dem Eintreffen des Hundes anschaffen sollten:

- Körbchen, Decke oder Hundebett

- Futter- und Wassernapf

- Halsband bzw. Geschirr

- Leine (eine kurze und eine Langlaufleine)

- Kauknochen und Hundekuchen (als Belohnung!)

- wichtig: Er braucht auch Spielsachen (Tennisball, Gummiball, was zum Apportieren usw.)

- Futter - erkundigen Sie sich über die Fressgewohnheiten ihres neuen Lieblings. Kaufen Sie nur
  kleine Packungen, eventuell müssen sie die Sorte wechseln, bis sie herausfinden, welche am geeignetsten
  für ihn ist. (Muss nicht unbedingt die sein, die ihm am besten schmeckt)




Lucky, ca. 11 Jahre

Der Hund kommt!

Die nächsten Wochen entscheiden, ob Sie sich zusammengewöhnen. Für den Hund bedeutet diese Zeit eine große Umstellung. Neue Leute, fremde Gerüche und Geräusche, neue Umgebung usw. Die Eingewöhnung kann
unterschiedlich kurz oder lang sein (eine bis mehrere Wochen).

Nehmen Sie sich bitte Zeit! 

Planen sie für die ersten 4-6 Wochen ein, dass immer ein Erwachsener da ist, der den Hund beaufsichtigt. Lassen sie den Neuling in den ersten Wochen nie mit Kindern, Hunden, Katzen und anderen Haustieren alleine.

Für später gilt: Kinder sollten nie mit Hunden, egal welcher Rasse sie angehören oder was für eine Vorgeschichte sie haben, unbeaufsichtigt alleine gelassen werden. Das schützt die Kinder und den Hund!

Noch mal: Nehmen sie sich Zeit, überstürzen sie nichts, überfordern sie den Hund nicht! 
Wie wäre es, wenn Sie sich jetzt doch ihren Urlaub genehmigen! Das Tier wird es ihnen danken.
Übrigens werden Sie erst nach einigen Monaten beobachten können, dass Ihr neuer Hund sich plötzlich 
weiter entwickelt, weil erst dann ist er sich des neuen "Rudels" sicher ist.


- lassen sie den Hund das neue Heim ausgiebig begutachten

- zeigen sie ihm „seinen“ Platz, Wassernapf usw.

- legen sie von Anfang an konsequent die Rangordnung fest (das geht auch sanft und liebevoll!)

- gehen sie besonders Anfangs viel mit ihm Gassi 
  (nur so lernen sie seine Toilettengewohnheiten kennen und verhindern ein Malheur in der Wohnung!)

- führen sie feste Fütterungs- und Gassigehen-Zeiten ein. Der Hund gewöhnt sich schneller ein!

- lassen sie den Hund die erste Zeit an der Leine. 
  Solange, bis sie sicher sind, dass er nicht davonläuft, Wild hetzt, auf die Strasse läuft, Jogger angreift, 
  mit fremden Hunden rauft oder anders Verhaltensweisen an den Tag legt, die sie nicht dulden wollen

- keine Panik! Rüden neigen dazu die Wohnung erst mal als Revier zu markieren.

- Sperren Sie den Hund nicht aus dem Rudel aus; Lassen Sie ihm immer bei Ihnen sein.


Was sie in der ersten Zeit nicht machen sollten:

- veranstalten sie auf keinen Fall eine Willkommensparty mit Verwandten, Nachbarn und Freunden.
  Lassen sie dem Tier Zeit, sich einzugewöhnen.

- Verzichten sie auch in den ersten Tagen auf Besuche; Das gilt auch für Schulfreunde und Nachbarskinder.

- sparen Sie dem Tier und sich selber den Stress, ihn zu baden. 
  Sie müssen erst Vertrauen bei dem Tier aufbauen, bevor sie solch „intime“ Handlungen an ihm vornehmen 
  können. Zu früh durchgeführt, kann das Tier Panik bekommen und um sich beißen! 
  Ein Hund aus dem Heim mag zwar ein bisschen riechen, schmutzig ist er deshalb noch nicht. 
  Der Geruch legt sich nach ein paar Tagen von selbst.

- ein Tierarztbesuch ist in der nächsten Zeit normalerweise nicht nötig, da das Tier vom Heim nur gesund 
  und geimpft abgegeben wird - ersparen sie also dem Tier die Aufregung!

- vermeiden sie, ihn in den ersten Wochen alleine zu lassen. 
  Es könnte sich sonst eine Verlassensangst aufbauen, die sich nur schwer wieder rückgängig machen lässt!

- Vermeiden Sie Besuche mit Ihrem Hund im Tierheim - er wird es nicht verstehen, dass Sie nur zeigen wollen,
  wie gut es ihm bei Ihnen geht

- Verlangen Sie nicht allzu viel von Ihm; er wird noch viel Zeit haben Neues von Ihnen zu lernen.


Das Schlimmste haben sie nach 3-4 Wochen hinter sich!


Um sich schneller aneinander zu gewöhnen, empfehlen wir den Besuch einer guten Hundeschule. 
Vermeiden sie jedoch eine Schutzhundeausbildung! Die Hundeschule sollte das Training auf Vertrauen,
Partnerschaft und Spiel aufbauen und nicht auf Unterdrückung, Gewalt und Machtausübung. Der Hund soll
Ihnen gehorchen, weil er Sie als "Rudelchef" akzeptiert und nicht weil er von Ihnen Angst hat.


Sie haben jetzt viel gelesen und hoffentlich auch einiges berücksichtigt. Sehen sie es bitte nicht als lästige Gängelung, sondern als Hilfe, um mit ihrem neuem Hausgenossen von Anfang an viel Freude zu haben!


Text: Robert Sch/Robert Ch.      Bilder: Robert Ch.